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Der Hoch­was­ser­schutz in Venedig

Seit 2021 gibt es in Venedig einen funktionierenden Hochwasserschutz, namens Modulo Sperimentale Elettromeccanico, kurz MOSE genannt, der die Lagunenstadt vor Überschwemmungen schützt.

Venedig

[Bildquelle: © Sebastian Baumann | reisen.rocks]


Auch Produkte von Camille Bauer haben entscheidend zum Gelingen des Milliardenschweren Bauvorhaben beigetragen. Jedes der 78 Fluttore ist mit zwei Neigungsaufnehmern der KINAX-Serie ausgestattet, die besondere Umwelteinflüsse verkraften müssen.

Aufschwimmende Barrieren stoppen das Wasser, wenn die Hochwassermarke von 110 Zentimetern überschritten wird. Das Sperrwerk besteht insgesamt aus 78 beweglichen Elementen, 18 bei Chioggia, 19 bei Malamocco und 41 an der Bocca di Lido. Wenn sie inaktiv sind, sind die Schleusen mit Wasser gefüllt und liegen völlig unsichtbar in Gehäusen, die in Senkkästen am Boden der Lagune angebracht sind. Diese Senkkästen sind in 14 m tiefe und 50 m breite Gräben eingelassen. Sie sind mit Tunneln verbunden, die auch technische Inspektionen ermöglichen. Das verbindende Element zwischen den Sperren und dem Gelände sind die Schulterkästen. Sie enthalten alle Systeme und Gebäude, die für den Betrieb der Schleusentore erforderlich sind.

Das Prinzip des Hochwasserschutzes wurde von den Toren großer Schiffsdocks übernommen. Die Klappen sind große Stahlkästen, die, wenn sie in ihren Schächten am Meeresboden liegen, randvoll mit Wasser geflutet werden. Sollen sie geschlossen werden, drückt Pressluft das Wasser heraus und die Tore richten sich auf.

Sezione paratoia

[Archivio Magistrato alle Acque di Venezia - Consorzio Venezia Nuova, Sezione paratoia, CC BY-SA 3.0 ]

Positionssensorik von Camille Bauer

Die Neigung der Fluttore wird von Neigungsaufnehmern KINAX N702-HART gesteuert und bestimmt. Die Gehäuse der Module bestehen aus INOX 326Ti Edelstahl, der rostfrei ist, und sind gemäß IP 68 komplett wasserdicht. Als Protokoll zum Versand der Informationen wird das HART-Protokoll verwendet. HART (Highway Addressable Remote Transducer) ist der Name für ein digitales Kommunikationsprotokoll für Feldgeräte. Es eignet sich hervorragend zur Übermittlung von Mess-, Stell- und Gerätedaten.

Ein entscheidender Punkt für die Entscheidung zu Camille Bauer Technik war die robuste Bauweise der Sensoren, die 10 Jahre ohne Wartung funktionieren müssen. Ein sehr wichtiges Argument, weil die KINAX-Neigungsaufnehmer 30 Meter unter (Salz)Wasser jederzeit funktionieren müssen. Aus den genannten Gründen konnte GMC Instruments Italia schlussendlich den Auftrag mit Dienstleistung und Projektierung gewinnen. Im Jahr 2015 wurden die ersten Geräte bei der GMC Instruments Italia bestellt, im Jahr 2023 folgt die nächste Charge von 46 Geräten, die die Erweiterung von 23 Fluttoren bis ins Jahr 2024 ermöglichen.

Die Geschichte des Mose-Projects

Am 4. November 1966 stand das Wasser in Venedig 194 cm über Normalnull. Ein kräftiger Scirocco (ein heißer Wind aus der Sahara Richtung Mittelmeer) trieb Meerwasser in die Lagune. Spätestens zu diesem Zeitpunkt erkannte die Stadtverwaltung die dringende Notwendigkeit, das Weltkulturgut Venedig vor dem Hochwasser zu schützen. Ein knappes halbes Jahrhundert später wurde der langersehnte Hochwasserschutz endlich fertig gestellt – und Produkte von Camille Bauer haben dazu einen entscheidenden Beitrag geleistet.

Auch der Tourismus sorgte für mehr Hochwasserprobleme, denn für die immer größer werdenden Kreuzfahrtschiffe wurden die Kanäle teilweise ausgebaggert, sodass immer mehr Salzwasser in die Stadt eindringen konnte. Allerdings kam es erst 1984 zu ersten Machbarkeitsstudien, um die Stadt vor Hochwasser und Umwelteinflüssen zu schützen. Zwar gab es im Jahr 2003 den Spatenstich zum Bau durch den damaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Es sollte aber bis ins Jahr 2021 dauern, ehe der Hochwasserschutz endgültig fertiggestellt werden konnte. Immer wieder hatten Demonstrationen, Gerichtsverfahren und Korruption den Baufortschritt verzögert. Knappe 6 Milliarden Euro kostete das Projekt am Ende und war damit das größte Infrastrukturprojekt Italiens nach dem Zweiten Weltkrieg.

 

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